Stellen Sie sich vor, es ist Schule, und keiner darf hin…

 

In der Lombardei in Italien wurden wegen des Corona Virus die Schulen geschlossen und alle fuhren daraufhin in Urlaub! In Deutschland werden über Schüler, die in den Ferien in Italien oder in Südtirol waren, Quarantänezeiten verhängt und die Schüler müssen sich selbst über Whatsapp ihre Hausaufgaben von anderen Schülern holen! E-Mail-Kontakt zwischen Schülern und ihren Lehrern existiert kaum und von Online-Kursen kann gar nicht die Rede sein. Heißt also, wenn in Deutschland Schulen geschlossen werden, dann hört hier wie in Italien der Unterricht auf!
Dabei gibt es schon seit Langem Lösungen, wie sie beispielsweise in den Internationalen Schulen praktiziert werden. Dort sind Lehrer, Schüler und Eltern über digitale Plattformen verbunden und die digitale Kommunikation und Kooperation gehören zum Tagesgeschäft.

Ein gelungenes Beispiel für ein Kommunikations- und Kooperationsnetzwerk für Lehrer und Schüler ist die Privatinitiative der beiden Mathematiklehrer Sebastian Schmidt und Ferdinand Stipberger. Beide Mathematiklehrer unterrichten mit der Methode des „converted“ oder „flipped classroom“, die bereits seit vielen Jahren aus den USA bekannt ist. Sie produzieren Lernvideos, in denen sie mathematische Inhalte erklären. Diese Videos können sich die Schüler und Schülerinnen zu Hause in Endlosschleife ansehen, bis sie den Sachverhalt verstanden haben. Die eigentliche Übungsphase wird dann in die Schule verlegt, wo der Lehrer nicht als Dozent im Frontalunterricht, sondern als Lernbegleiter an Schwächen der Schüler arbeitet oder mit den Stärkeren ein höheres Leistungsniveau einübt. Beide Lehrer ergänzen ihre Lernvideos durch Übungsaufgaben und Klausuren für verschiedene Jahrgänge sowie durch Prüfungstrainings- und Fortbildungsclips für ihre Lehrerkollegen.

Was die beiden vorbildlichen Lehrer begonnen haben, ist Resultat eines „out of the box“ Denkens, vornehmlich in den USA. Seit Beginn der 90-er Jahre haben Erziehungswissenschaftler und Institute innovative Modelle des Integrierten Lernens (Blended Learning) entwickelt. Das sogenannte „Flipped“ oder „Inverted Classroom“-Prinzip (das auf den Kopf gestellte Klassenzimmer), wie von Schmidt und Stipberger angewendet, ist eines von vier möglichen Rotationsmodellen.


Integriertes Lernen bezeichnet eine Lernform, bei der Präsenzunterricht in der Schule und E-Lernen zu Hause oder an anderer Stelle sowie formelles, vom Lehrer kontrolliertes, und informelles, vom Schüler selbst kontrolliertes, Lernen kombiniert werden. „Flipped Classroom“ ist eine Möglichkeit, ein Rotationsmodell zwischen Vortrag, Gruppenarbeit, Hausaufgaben und E-Lernen im Rahmen des Integrativen-Lernen-Ansatzes einzuführen. „Die Lehrer helfen den Schülern dabei, das theoretische Wissen, das sie sich selbst erarbeitet haben, so praxis- und lebensnah wie möglich in kollaborativen Arbeitsformen und Projekten anzuwenden.“ (Frankfurter Allgemeine Spezial, Internate und Privatschulen, S. 10, „Die digitale Schere“ von Kim Berg). Lehrer und Schüler können auf diese Weise die Unterrichtszeit für eine zeitlich und inhaltlich bestmögliche und flexible Wiederholung des Lernstoffs und individuelle Unterstützung nutzen.


Warum erzähle ich ihnen von dieser Unterrichtsmethode? Weil unsere Kinder jetzt, in Zeiten des Corona Virus und der geschlossenen Schulen und Universitäten, dennoch Unterricht bekommen könnten, wenn wir nicht so rückständig wären! Gäbe es E-Lernen an unseren Schulen, hätten unsere Kinder bereits gelernt, digital zu lernen und zu arbeiten, wären sie bereits geübt im selbstständigen Researchen und in Projektarbeiten. Dann wäre eine Quarantäne kein Problem, auch wenn sie lange dauern würde, auch wenn alle unsere Schulen und Universitäten für lange Zeit geschlossen blieben. Es würde nicht alles aufhören und der Unterricht könnte in zumindest groben Zügen fortgesetzt werden.
So geschieht es in vielen anderen Ländern, die wie wir, betroffen sind. Nur sind sie krisenfester, denn ihre Schulsysteme sind innovativer, zukunftsorientierter, fortschrittlicher! Lehrer und Schüler sind digital kompetent und können online zusammenarbeiten und kommunizieren.
Deutschland dagegen hat auf diesen Gebieten enormen Nachholbedarf. Die aktuelle Krise gibt uns die Gelegenheit – und muss uns dazu zwingen - die digitale Transformation unseres Bildungssystems erheblich zu beschleunigen. Nutzen wir sie. Für unsere Kinder!

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